Ohne Wecker
Ohne Wecker aufgestanden, das Frühstück ganz in Ruhe, kein Programm, das drängt. Um neun geht es los, eine Radtour nach Limenas, Thassos Town, und ich fahre einfach mal so mit. Den Ort kenne ich ja längst, vom Segeltörn, aber mal sehen, was der Tag bringt. Durch Olivenhaine geht es, vorbei an einem Marmorsägewerk, eine kleine Gruppe auf schmalen Wegen.
Die härteste Radtour der Welt
Um Viertel nach zehn der höchste Punkt der Tour, eine schöne Aussicht, angenehm, nicht zu warm. In den Kopfhörern läuft die neueste Folge des Podcasts Schlag und Fertig mit Jonas Hector und Florian Köster. Zu Beginn unterhalten sie sich über die Strapazen der diesjährigen Tour de France, und während Pogačar und Vingegaard sich bei siebenunddreißig Grad durch Südfrankreich quälen, rolle ich hier bei mildem Wind über einen Berg auf Thassos. Radfahren in Griechenland, dazu ein Gespräch über die härteste Radtour der Welt. Es gibt Kontraste, die machen das eigene Glück erst richtig sichtbar.

Zurück in Limenas
Nach einer Woche bin ich wieder in Limenas, und es ist ein seltsames Wiedersehen. Die Karnagio Beach Bar, fast derselbe Platz wie damals, nur die Umstände sind andere: Beim letzten Mal kam ich nach neun Tagen auf dem Segelboot hierher, jetzt mit der Frosch-Gruppe auf dem Rad. Und, kleine Genugtuung, die Kaffeemaschine funktioniert wieder. Ein Freddo Cappuccino, und für einen Moment liegen zwei Reisen übereinander, dieselbe Bucht, ein anderer Ich.
Ich genieße es, allein zu sein
Als die Gruppe zurückfährt, bleibe ich. Ich entscheide mich bewusst dagegen, mitzufahren, und gehe stattdessen noch einmal ins Simi, gegrillter Oktopus zum Mittagessen. Ich genieße es, allein zu sein, mit dem Meer, dem Teller und den eigenen Gedanken. Manchmal ist die schönste Gesellschaft die, in der man niemandem etwas beweisen muss.
Und dann ein Bier, das ich noch nie probiert hatte: ein Fix. Die älteste Großbrauerei Griechenlands, 1864 in Athen von Johann Karl Fix gegründet, über hundert Jahre Hoflieferant des Königs und nahezu Monopolist, 1983 pleite, seit 2009 wieder da. Das älteste griechische Bier, und ich trinke es ausgerechnet heute zum ersten Mal, nach mehr als zwei Wochen im Land. Besser spät als nie.
Über Asphalt
Am späten Nachmittag, gegen halb vier, bin ich zurück am Hotel, knapp siebenunddreißig Kilometer in den Beinen. Und ehrlich gesagt: Ich fahre lieber über Asphalt als über Stock und Stein. Der warme Fahrtwind ab dreißig Sachen, der Blick aufs Meer, das ist für mich das eigentliche Glück auf dem Rad. Um vier dann ein reichlich verspäteter Mittagsschlaf am Strand, weil so ein Tag eben auch seine Pausen braucht.
Die Tour nach Limenas als Karte:
Malamatina mit Cola
Am Abend in der Taverna Olga’s Place bestelle ich nach kurzer Beratung ein Fassbier, bloß kein Mythos. Doch ein Frosch am Tisch schnappt es mir vor der Nase weg. Ich sage nichts. Siga siga. Also mache ich es griechisch und bestelle Malamatina mit Cola. Alle schauen und denken sichtbar: Wie kann man nur. Ich frage die Kellnerin, und sie grinst nur wissend.
Malamatina, seit 1895 das bekannteste Retsina-Label Griechenlands, ein Weißwein, der seit der Antike mit Kiefernharz vergoren wird. Pur ist er gewöhnungsbedürftig, mit Cola aber wird er erfrischend, makedonisch, ein bisschen provokativ, genau mein Ding. Dazu eine Moussaka. Zurück im Hotel schaue ich noch die erste Halbzeit England gegen Argentinien, für den Rest bin ich zu müde. Kalinychta. Ein Tag, der niemandem etwas beweisen musste, und gerade deshalb ein guter.

