Tag 20 – Komoot kennt keine Gnade

Ein freier Tag

Heute kein Frosch-Programm, ein freier Tag zur Selbstbeschäftigung, und den beginne ich, wie man einen freien Tag beginnen sollte: gar nicht. Ausschlafen, den Morgen einfach verstreichen lassen. Erst um zwölf raffe ich mich auf, für eine selbst geplante Radtour die Südküste entlang. Komoot führt mich durch merkwürdige Wege, bei denen ich mich mehr als einmal frage, wohin sie eigentlich führen sollen. Aber ich komme dem Ziel näher, und darum geht es ja.

Die Tür aus 1.800 Kilometern

Um zwölf nach eins eine Pause an der Südküste, bei der Bay Thassos, nahe dem Dolphin’s Pass House. Achtundzwanzig Grad, eine weite Aussicht, ein paar Fotos. Und dann, mitten in dieser Ruhe, klingelt das Handy.

Mein Neffe Nils ist dran. Sein Handy ist leer, und weil ich mitten in der Stadt wohne, ist mein Zuhause für ihn der kürzeste Weg, um es aufzuladen. Er bittet mich also, ihm die Haustür zu öffnen. Also öffne ich die Nuki-App, tippe einmal, und die Tür springt auf, rund achtzehnhundert Kilometer entfernt. Ich sitze an einer griechischen Steilküste und schließe daheim eine Tür auf. Wir leben in einer verrückten Zeit, und manchmal, an einem Berg über dem Meer, wird einem das ganz besonders bewusst.

Allein durch unbekannte Wege

Um Viertel vor zwei ein Zwischenstopp in Skala Maries, in der Taverna Armeno, ein Freddo Cappuccino, ein frisch gepresster Orangensaft, ein schöner Ort zum Durchatmen. Dann weiter, und um drei erreiche ich Limenaria. Eigentlich wollte ich keine Trails fahren, doch Komoot kannte keine Gnade und schickte mich mitten hinein.

Allein durch unbekannte Wege zu navigieren, das ist ein großes Abenteuer, wenn niemand vorausfährt und man ganz auf sich selbst gestellt ist. Am kleinen Hafen von Limenaria dann ein großes Vergina, als Lohn. Und ich merke: Es ist etwas anderes, ob man einer Gruppe folgt oder ob man sich seinen Weg selbst suchen muss.

Komoot lag falsch

Auf der Rückfahrt dann die Quittung: Den Weg über die Berge finde ich nicht, denn Komoot lag schlicht falsch, der Pfad war durch einen Zaun gesperrt. Zehn Minuten suche ich nach der richtigen Route, dann siegt die Vernunft: Bevor mir der Akku meines iPhones vollends leergesaugt wird, nehme ich lieber die Hauptstraße. Ich habe keinen Bock, mich ohne Strom in diesen verschlungenen Wegen zu verirren. Und um Viertel vor sechs eine ordentliche Stärkung im Restaurant Oasis in Skala Prinos, denn die letzten Kilometer wollen auch noch gefahren werden.

Um vier nach sieben bin ich zurück am Hotel, nassgeschwitzt, aber mit einem breiten Grinsen. Fast zweiundsechzig Kilometer, allein, ohne Guide, das Abenteuer ist geglückt. Mario sagt später nur, ich hätte Komoot besser auf Rennrad statt Mountainbike stellen sollen. Mag sein. Aber die Herausforderung habe ich angenommen, und ich habe sie geschafft, und das zählt am Ende mehr als jede Streckenwahl.

Die Solo-Tour als Karte:

61,8 km Gesamtstrecke
1 Etappen
6 h 52 min Dauer
↑ 393 m Höhenmeter

Tote Hose

Im Hotel am Abend dann: tote Hose. Alle Gäste sind unterwegs, kein Abendessen heute, und so genieße ich, zwangsläufig, die Ruhe, die ich mir sonst nie gönne. Erst um halb zehn kommen viele zurück, und es gibt noch einen Absacker zusammen. Morgen ist ein neuer Tag. Dieser hier war sportlich anstrengend, allein und selbst gewählt, und vielleicht sind es genau die Tage, an denen man sich am Abend am wohlsten in der eigenen Haut fühlt.

Bilder eines freien Tages auf Thassos