Tag 17 – Die rote Laterne

Das Team

Um neun Uhr Frühstück, um halb zehn die Frosch-Einweisung und die Vorstellung des Teams. Und dieses Team ist es wert, dass man kurz innehält.

Da ist Steffi, die Organisationsguide, seit 2012 bei Frosch, ihr erster Einsatz führte sie damals nach Sizilien. Letzten Sommer verbrachte sie in Österreich, doch dann fiel Anfang September eine Kollegin auf Thassos aus, und aus dem geplanten Heimkommen wurden sechs Wochen auf der Insel. Sie hat sich schlicht verliebt, in Thassos, und beschlossen wiederzukommen: Seit Mai ist sie wieder da und inzwischen bestens eingearbeitet. Individuelle Wünsche sind ausdrücklich willkommen, kleine Gruppe, viel Spielraum.

Und da ist Mario, der Bikeguide, erst seit Mai dabei, also gerade einmal einen Monat. Sein Lebenslauf ist alles andere als gewöhnlich: dreißig Jahre hat er auf Kuba gelebt, ist 2025 nach Europa zurückgekehrt und ist ausgebildeter Fotograf. Wenn sich also in die Einweisung gelegentlich ein spanischer Satz einschleicht, ist das keine Fehlfunktion, sondern Programm.

Die rote Laterne

Um neununddreißig Minuten nach zehn geht es auf die erste Biketour. Ich übernehme die rote Laterne, grünes Shirt, der Letzte in der Gruppe, dessen Aufgabe es ist, aufzupassen, dass niemand verloren geht. Eine dankbare Rolle, ehrlich gesagt: Man hat die ganze Gruppe vor sich und den Kopf frei für die Landschaft.

Die Tour führt hinauf nach Rachoni, dem Bergdorf vier Kilometer landeinwärts, zu dem unser Küstenort Skala Rachoniou gehört. Erst zwei, drei Kilometer durch Olivenhaine, dann hinauf in die Berge auf Schotter- und weißen Marmorwegen. Um vierundzwanzig nach elf eine Pause im Dorf, und ich stelle fest: kein Schweiß, kein Keuchen. Danke, E-Bike.

Der erste Ausritt als Karte:

23,5 km Gesamtstrecke
1 Etappen
1 h 35 min Dauer
↑ 190 m Höhenmeter

Markt und Sardellen

Um zwanzig nach zwölf erreichen wir den Wochenmarkt in Skala Prinos, einen wunderschönen griechischen Markt mit Gemüse, Früchten und Kleidung, dem einzigen der ganzen Insel, immer montags. Ein Freddo Cappuccino, ein paar Fotos, und weiter geht es zum Mittagsstopp ins Restaurant Oasis, wo der Kellner gegrillte Sardellen empfiehlt. Die richtige Entscheidung.

Um Viertel nach zwei sind wir zurück am Hotel. Eine leichte Tour, durch den Fahrtwind kommt man kaum ins Schwitzen, und bergab zeigt der Tacho kurz fünfundvierzig. Es macht einfach Spaß, auf Thassos zu biken.

Wer schläft, sündigt nicht

Es ist ja auch ein Strandurlaub. Also die Liege holen, dösen, und Steffi bringt es auf den Punkt: Wer schläft, sündigt nicht. Da hat sie recht. Nach anderthalb Stunden aber der Gedanke, dass ich vier Tage nicht im Meer war, also hinein. Doch im flachen Wasser ohne Kopfsprung zu schwimmen, das ist nichts, und ich muss über mich selbst lächeln: Du bist ganz schön verwöhnt geworden auf dem Segelboot. Wieder hinlegen, trocknen lassen.

Beautiful Things

An der Bar danach ein Vergina. Der Song des Tages heißt Beautiful Things von Benson Boone, der Klang eines Mannes, der auf dem Gipfel steht und die Aussicht nicht genießen kann, weil er die Steine zählt, die eine Lawine auslösen könnten. Ein Lied über Dankbarkeit und die Angst, das Schöne wieder zu verlieren. Es passt, an einem Tag wie diesem, auf einer Insel wie dieser. Am Abend ist Kennenlernabend mit Musikquiz angesetzt, aber ich bin ja selbst schon zwei Wochen unterwegs und brauche kein Programm mehr.

Morgen ist ein neuer Tag

Um halb acht dann Regen, ausgerechnet, wir wollten draußen essen. Nicht schön, aber immerhin ein paar Fotos vom aufgewühlten Meer. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei, und der Abend klingt gemütlich aus. Morgen ist ein neuer Tag, und nach zwei Wochen in Bewegung weiß ich inzwischen: Er wird schon ein kleines Abenteuer bringen.

Bilder eines Tages auf Thassos