Tag 21 – Extreme Beaching

Warum soll ich mich stressen?

Mit Wecker aufgestanden, Frühstück, fertig gemacht für die letzte Biketour mit Mario. Doch dann: schwül, der Kopf noch nicht wach, der Körper nicht richtig fit. Und ich frage mich, ganz ehrlich: Warum soll ich mich ausgerechnet im Urlaub stressen? Also stelle ich das Rad zurück in den Ständer und mir erst einmal einen Kaffee hin. Es ist der zweitletzte Urlaubstag, und manchmal ist die weiseste Entscheidung die, gar keine zu treffen. Noch eine Stunde Powernap, und der Tag darf kommen, wie er will.

Extreme Beaching

Ab zwölf dann an den Strand, die Liege in den Schatten, und dort bleibe ich. Den ganzen Tag. Heute steht nämlich Extreme Beaching auf dem Programm, eine Sportart, die keine Ausrüstung verlangt, keine Trainingseinheit und keine Vorbereitung. Das Regelwerk ist denkbar schlicht: Liege aufstellen, hinlegen, nicht aufstehen. Klingt einfach, und ist es auch. Die einzige echte Herausforderung ist der Schatten: Die Schirme spenden ihn treu, doch die Sonne wandert schneller, als ein Extreme Beacher es je täte, und so muss ich die Liege im Stundentakt ein Stück weiterschieben, dem Schatten hinterher. Die einzige erlaubte Ausnahme von der heiligen Regel, nicht aufzustehen – und selbst sie kostet mich jedes Mal Überwindung.

Dazu höre ich ein paar Podcasts, oder besser: Ich versuche es. Denn selbst konzentriert zuzuhören fällt mir hier schwer. Immer wieder nicke ich weg, und wenn ich aufwache, habe ich keine Ahnung mehr, wovon gerade die Rede war. Mein Gehirn ist im Sleepmode – und ehrlich gesagt: Genau da soll es hin.

Und doch braucht man dafür manchmal mehr Disziplin als für eine Radtour über zweiundsechzig Kilometer. Denn der Kopf will ja etwas tun, sich bewegen, etwas leisten, etwas beweisen, und ihn zum Schweigen zu bringen, ist die eigentliche Übung. Wer zweifelt, ob er wirklich den ganzen Tag liegen bleiben darf, hat die Sportart noch nicht verstanden. Ich habe sie heute verstanden, mit dem Rauschen des Meeres im Ohr und keinem einzigen Termin im Kopf.

Vier zu null

Nach dem Abendessen dann doch noch ein bisschen Wettkampf, ein Kickertisch-Turnier, und mit einem anderen Frosch gewinne ich es locker mit vier zu null. Das Extreme Beaching hat die Reflexe also nicht beeinträchtigt, im Gegenteil. Danach lasse ich den Abend einfach ausklingen, ohne Plan, ohne Ziel. Nichts tun ist eben auch ein Urlaubstag, vielleicht sogar einer der ehrlichsten, weil man an ihm nichts sein muss außer da.