Tag 13 – Maach et joot

Ein roter Seestern zum Abschied

Um neun Uhr verabschiedet sich die Crew. Zum Abschied zeigt mir Thomas noch einen roten Seestern, der neben dem Boot im klaren Wasser liegt, und dann sind sie weg. Ich habe keinen Stress, keinen Termin, nur einen Cappuccino aus der Bäckerei gegenüber und Zeit, dem Treiben zuzuschauen.

Im Hafen von Keramoti herrscht Betriebsamkeit, Fähren nach Thassos kommen und gehen, und von ihren Rampen rollen Lastwagen mit mächtigen Marmorblöcken. Es ist der berühmte weiße Thassos-Marmor, seit der Antike aus der Insel gebrochen und bis heute in alle Welt verschickt.

Maach et joot

Um elf verlasse ich das Boot. Ein kurzes Gespräch mit Thomas noch, und ich bedanke mich von Herzen. Denn segeln kann jeder Skipper, aber auf ganz unterschiedliche Charaktere einzugehen, gelassen zu bleiben, zuzuhören, das ist die eigentliche Kunst, und genau das hat Thomas auf diesem Törn ausgemacht.

Ich schenke ihm und der SY ANNA das Buch von Boris Herrmann, Die Welt unter meinem Boot. Du hast es ja gar nicht gelesen, sagt er, und da hat er recht. Aber, antworte ich, das Notfallprogramm wurde eben nicht gebraucht, und als ITler weiß ich, wann man ein Backup einspielen muss und wann nicht. Wir lachen.

Der Abschied fällt kölsch aus, so wie zu Hause unter Freunden: Maach et joot, mach es gut. Und mer sieht sich, wir sehen uns wieder. Das ist kein Satz, den man einfach so dahinsagt. Wir werden uns wiedersehen.

Der Bus, der Zeit hat

Am Anleger rollen Hunderte Autos von den Fähren, eine Polizistin regelt den Verkehr mit ruhiger Hand, und ich frage mich, wie viele Wagen wohl auf ein einziges Schiff passen. Vor allem aber staune ich, wie pragmatisch die Griechen das lösen: keine große Infrastruktur, kein Aufwand, es funktioniert einfach.

Zweiundvierzig Kilometer sind es mit dem Bus nach Kavala, und in Chrysoupoli muss ich umsteigen. In fünf Minuten kommt der Bus, sagt der Fahrer. Zwanzig Minuten später schaue ich noch immer zu, wie er sich mit den Einheimischen unterhält, einen Frappé trinkt und alle Zeit der Welt hat. Siga siga. Ich habe sie auch, diese Zeit, und beobachte das gelassene Treiben. Griechenland eben.

Der Bus fährt durch das Nestos-Delta, eines der wichtigsten Feuchtgebiete Europas, fünfhundertfünfzig Quadratkilometer aus Auwäldern, Sümpfen, Dünen und Binnenseen, in denen über dreihundert Vogelarten leben, Flamingos, Pelikane, seltene Adler. Und, was ich nicht wusste: Hier liegt auch das größte zusammenhängende Spargelanbaugebiet Griechenlands, jeder frühe griechische Spargel auf deutschen Märkten stammt von hier. Eine schöne, überraschende Gegend.

Ankommen in Kavala

Gegen zwei erreiche ich das Hotel, das Airotel Galaxy, direkt am Hafen. Koffer auspacken, Schmutzwäsche heraus, Laptop ins WLAN, alle Apps auf den neuesten Stand, und dann ein Mittagsschlaf, denn ich merke erst jetzt, wie wenig ich in den letzten Tagen geschlafen habe. Der Hunger weckt mich wieder. Um die Ecke die Snack Bar Mama, ein Gyros mit Pommes, das tut gut.

Danach die Wäsche zum Dry ’n Wash, einem Selfservice gleich nebenan, wo man mir trotzdem hilft. Dreißig Minuten waschen, dreißig Minuten trocknen, und ich lasse mir Zeit dabei. Es ist einer dieser Tage, an denen nichts Besonderes passiert, nur Organisatorisches, und genau das ist manchmal das Beste.

Ein Ticket für Medea

Das Wichtigste aber ist erledigt: ein Ticket für das Philippi-Festival am Samstag. Das neunundsechzigste seiner Art, seit 1957 im antiken Theater von Philippi, nur fünfzehn Kilometer von Kavala, eines der ältesten und angesehensten Kulturfestivals Griechenlands. Am elften Juli gibt man dort Medea von Euripides, eine Tragödie, unter freiem Himmel im antiken Rund. Ein Bummel noch durch die Gassen von Kavala, die Sonne geht unter, und ich sitze am Hafen und blicke hinauf zur Festung, dort werde ich morgen wohl hinaufwandern.

Kein Ankerbier

Um Viertel vor zehn dann das erste Bier des Tages, eine Dose Kaiser am Hafen. Kein Ankerbier heute, und vielleicht ist es deshalb so spät geworden, denn die Segeltraditionen greifen eben nur an Bord.

Später in die Taverne neben dem Hotel, wo das WM-Viertelfinale läuft, Frankreich gegen Marokko. Allez les Bleus. Ein Freund schreibt mir: kein Ouzo vor dem ersten Tor. Frankreich gewinnt verdient mit zwei zu null, also deux Ouzos, und dann ins Hotel, es sind ja nur wenige Meter. Der erste Tag an Land ist vorbei, und morgen geht es hinauf zur Festung. Der Törn ist zu Ende, die Reise noch lange nicht.

Unser Segeltörn mit Daydream Yachting

Zehn Tage auf dem Wasser, von Thessaloniki über die drei Finger der Chalkidiki, vorbei am Heiligen Berg Athos, bis hinüber nach Thassos: Das war unser Segeltörn auf der SY ANNA mit Daydream Yachting. Auf der Karte hier lässt sich die ganze Route nachverfolgen, Etappe für Etappe ein- und ausblenden und noch einmal in Gedanken nachsegeln.

240,5 sm Gesamtstrecke
11 Etappen
57 h 36 min Dauer

Bilder eines Tages in Kavala